Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e. V. – ZAS · ZfL · ZMO

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Auf Grundlage der Empfehlungen des Wissen­schafts­rats vom Juni 1991 und vom November 1994 initiierte der Wissen­schafts­senator im Land Berlin Ende 1995 die Grün­dung des Vereins Geistes­wissen­schaft­liche Zentren Berlin e. V. und übertrug ihm die Träger­schaft für drei Forschungs­zentren:

Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS)
Leibniz-Zentrum Moderner Orient (ZMO)
Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL)

Am 1. Januar 1996 nahmen die drei Zentren – nach vierjährigem Vorlauf in der von der Max-Planck-Gesellschaft eingerichteten und betreuten Fördergesellschaft Wissenschaftliche Neuvorhaben mbH – ihre Tätigkeit auf. Die aktuelle Förderung seit 1. Januar 2008 durch das Land Berlin in der Grundausstattung, durch das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung für drei Forschungs­­programme in der Ergänzungs­aus­stattung sowie durch eine Reihe von Einzel­bewilligungen nationaler und inter­nationaler Förder­ein­richtungen basiert auf einer Empfehlung des Wissen­schafts­rats vom 30. Januar 2006.

Vorstand, Direktoren
Geschäftsführer

Seit ihrer Gründung kooperieren die Zentren eng mit den Berliner Uni­versi­täten, nicht zuletzt in der Aus­bildung des wissen­schaft­lichen Nach­wuchses. Gegen­wärtig arbeiten ca. 100 Wissen­schaft­lerinnen und Wissen­schaft­ler verschiedener Diszi­plinen zu Themen pro­blem­orientierter Grund­lagen­forschung an den Zentren. Die For­schung der Zentren ist trans- und inter­disziplinär aus­gerichtet; sie orientiert sich immer an wissen­schaftlicher Exzellenz sowie gesell­schaft­licher Relevanz. Die an aktuellen Forschungs­fragen orientierte Struktur erlaubt es, jederzeit neue Themen auf­zu­greifen und so zur Ent­wicklung der Geistes- und Kultur­wissen­schaften bei­tragen zu können.

Aufgabe des ZAS ist die Erforschung der menschlichen Sprach­fähigkeit im Allgemeinen, ihrer Ausprägung in Einzel­sprachen und ihrer biologischen, kognitiven und sozialen Faktoren. Dadurch trägt das Zentrum zum Ver­ständnis der grund­legenden Struk­turen, des Erwerbs und der Ver­arbeitung von Sprache und deren Störungen bei. Die in der Grundlagen­forschung gewonnenen Erkennt­nisse fließen in anwendungs­orientierte Projekte ein, z. B. zur Mehr­sprachig­keit. Das Forschungs­programm Einbettung, Ver­knüpfung und Konstituenten­grenzen in Sprech­sprache, Grammatik und Diskurs (2014–2019) unter­sucht die ver­schiedenen Formen der Neben- und die Unter­ordnung sprachlicher Ein­heiten, wie sich diese Operationen auf den unter­schiedlichen Struktur­ebenen ausdrücken und welche Grenz­phäno­mene entstehen. Dies geschieht in vier Forschungs­bereichen, deren Themen u. a. Konstituenten­grenzen in der Sprechs­prache, der Erwerb kohäsiver Mittel bei Kindern, narrative Fähig­keiten bei bilingualem Sprach­erwerb, satz­einbettende Prä­dikate, unter­schiedliche Ver­knüpfungen von Sätzen und die Beziehungen zwischen Satz­semantik und Diskurs­strategien sind. Die Daten werden u. a. durch Feld­for­schung und durch phonetische und psycho­linguistische Experimente gewonnen. Außer­dem übernimmt das Zentrum Aufgaben in der universitären Lehre und in der Koordination nationaler und inter­nationaler Forschungs­projekte.

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Das ZMO widmet sich der historischen, gesellschafts- und kultur­wissen­schaft­lichen Erforschung des Nahen Ostens, Afrikas, Zentral­asiens sowie Süd- und Südost­asiens. Das Forschungs­programm Muslimische Welten – Welt des Islams? Ent­würfe, Praktiken und Krisen des Globalen (2008–2019) unter­sucht ein breites Spektrum historischer wie gegen­wärtiger Dynamiken inner­halb und zwischen muslimisch geprägten Gesell­schaften seit dem 18. Jahr­hundert sowie ihre Ver­bindungen nach Europa. Die Dritt­mittel­projekte bearbeiten Themen, welche die Forschungs­bereiche ergänzen bzw. neue Pers­pektiven ent­wickeln. Darüber hinaus ist das ZMO in verschiedene Verbund- und Kooperations­projekte mit anderen Insti­tu­tionen eingebunden und beherbergt eine Reihe von Wissen­schaftlern aus interna­tionalen Forschungs­programmen.

Die Zusammen­arbeit von Historikern, Sozial- und Kultur­anthro­po­lo­gen, Islam­wissen­schaftlern, Soziologen, Politik­wissen­schaftlern, Geo­grafen, Literatur­wissen­schaftlern und anderen regional speziali­sierten Fach­vertretern am Zentrum Moderner Orient über­schreitet die gängigen Grenzen der Regional- und Fach­wissen­schaften. Besonderen Nach­druck legen die Wissen­schaftler auf die kooperative und inter­dis­­zi­pli­näre Grund­lagen­forschung. Diese beruht auf intensiven Archiv- und Feld­forschungen sowie der Kennt­nis einer Viel­zahl regionaler Sprachen. Sie erforschen grund­legende und, wie besonders in jüngster Zeit deutlich geworden ist, für das Ver­ständ­nis der Gegen­wart not­wendige Bereiche der außer­europäischen Moderne.

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Das ZfL ist ein geistes­wissenschaftliches Institut für die Erforschung von Literatur in inter­disziplinären Zusammen­hängen und unter kultur­wissen­schaft­lichen Vor­aus­setzungen. Damit schließt es auch methodisch an den Struktur­wandel der historisch-hermeneutischen Fächer in den ver­gangenen Jahr­zehnten an. Im Unter­schied zu den über­wiegend national­philologisch organi­sierten Literatur­wissen­schaften an den Uni­ver­sitäten hat das ZfL nicht nur einen weiten Begriff von Literatur, sondern fragt in Gestalt inter­diszipli­närer Grund­lagen­forschung nach der Genese verschiedener Literatur­konzepte und ihren künftigen Möglich­keiten sowie nach dem Ver­hältnis von Literatur und anderen Künsten oder kulturellen Prak­tiken. Das geschieht in den vier Forschungs­schwer­punkten Theorie­geschichte, Welt­literatur, Lebens­wissen, Arbeits­formen und Denk­stile. Literatur ist dabei in allen Schwer­punkten Gegen­stand der Forschung, eröffnet aber auch Zugänge zu anderen Wissens­feldern und Erkennt­nis­formen. Dadurch werden neue Frage­stellungen erschlos­sen, die aus der Perspektive einzelner Dis­ziplinen heraus­fallen oder in ihnen nicht formulier­bar sind. Über­greifendes Interesse des ZfL ist es, alterna­tive Beschreibungen unserer Moderne, ihrer Geschichte und ihres Selbst­ver­ständ­nisses zu suchen und zu entwickeln. Deshalb orientiert sich die Forschung an aktuell drängenden Fragen der Gegen­wart, die in größere historische Zusammen­hänge gerückt werden. Das ZfL verfolgt die doppelte Absicht, Impuls­geber für nationale und internationale Forschungs­zusammen­hänge zu sein, aber auch kritischer Beob­achter einer sich wandelnden Wissen­schafts­land­schaft.